Taten dürfen nicht ohne Täter bleiben
Der 27. Januar ist ein sehr geschichtsträchtiges Datum, denn vor 67 Jahren wurde das Konzentrationslager Auschwitz durch die Rote Armee befreit. Zuvor starben hier 1.000.000 Menschen. Was ursprünglich durch Ignaz Bubitz als jüdischer Gedenkfeiertag vorgeschlagen wurde, machte der damalige Bundespräsident, Roman Herzog, vor sechs Jahren zum Gedenktag aller Opfer des zweiten Weltkrieges. Das war auch der Anlass für eine Feierstunde, die im Jost-Reinhold-Saal der Kreismusikschule in Waren (Müritz) am Sonnabend veranstaltet wurde. Wera Ulm eröffnete in Vertretung des Warener Bürgermeisters die Gedenkstunde und begrüße unter den 60 Gästen unteranderem die zweite Stellvertreterin des Landrats, Bettina Paetsch (CDU), Warens Stadtpräsident, Norbert Möller (SPD), sowie den Gastredner Matthias Heyl von der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück. Dieser mahnte eindrucksvoll in seiner Rede, dass „das Gedenken der Opfer nicht erfolgen kann, wenn die Taten ohne Erinnerung an die Täter gesehen werden“. Lobend erwähnte Matthias Heyl die Warener Stolpersteine, die an Opfer aus der Müritzstadt erinnern sollen. „Es gibt 52 Menschen, die im Bezug zu Waren stehen und die in Konzentrationslagern ermordet wurden“. Stellvertretend für jene Ermordete zählte er den Jüngsten, Claus Horwitz, der bei seiner Hinrichtung erst zehn Jahre alt war, und Julie Behrens, die bei ihrem Tot im KZ bereits 88 Lenze zählte, auf. Betrübt zeigte sich Redner Heyl, dass vornehmlich ältere Menschen die Gedenkstunde aufsuchten. „Die einzigen Jugendlichen hier, sind die Schüler der Kreismusikschule.“ Diese umrahmten die Gedenkstunde mit musikalischen Werken auf Klavier und Cello. Nach 45 Minuten bat Norbert Möller die Gäste zum Gedenkstein in die Kietzstraße. Hier wurden Kränze zu Ehren der Toten abgelegt. Auch die diesjährige Gedenkfeier wurde durch mehrere Polizeibeamte abgesichert, die sich dezent im Hintergrund hielten.
» Waren (Müritz), am 28.01.2012

