Förderung für Gemäldefreilegung
Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Müritz-Sparkasse stellen die fehlenden finanziellen Mittel für die Freilegung und Restaurierung historischer Wandmalereien in der Dorfkirche Vipperow zur Verfügung. Der gemeinsame Zuwendungsbescheid wurde im Beisein des Landrates, Heiko Kärger, und des Bürgermeisters der Gemeinde Vipperow, Olaf Schröder, an den Förderkreis Vipperow "Kirche im Dorf e.V." übergeben. Die denkmalgeschützte Kirche in Vipperow wurde um 1300 errichtet und gilt als der älteste Kirchenbau in der Müritzregion. In seinem Innenraum finden sich Wandmalereien aus mehreren Jahrhunderten, die zurück bis in das Mittelalter reichen. Allerdings sind derzeit nur wenige der früheren Werke sichtbar, da es durch Übermalungen und Renovierungen in den nachfolgenden Jahrhunderten zu Substanzschäden und Fehlstellen kam. Die in ihrer denkmalpflegerischen Bewertung und Vielzahl einzigartigen und wertvollen Malereibefunde sind für eine Dorfkirche außergewöhnlich und zeugen von der Bedeutung, die der Ort im Mittelalter inne hatte. Bereits vor einigen Jahrzehnten wurde ein Teil der Wandmalerei entdeckt und freigelegt. Durch die Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Müritz-Sparkasse wird die weitere Freilegung und Restaurierung der Wandmalereien jetzt ermöglicht.
Claus Friedrich Holtmann, Vorstandsvorsitzender der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, sagte anlässlich der Übergabe des Förderbescheides: "Die Herzensverbundenheit und das hohe bürgerschaftliche Engagement des Förderkreises Vipperow verdienen es, unterstützt zu werden. Wir möchten mit unserer Förderung zugleich ein Zeichen setzen und die hohe Wertigkeit der historischen Malereien ins Bewusstsein der Müritzregion und ihrer Gäste rücken." Gisela Richter, Vorstandsvorsitzende der Müritz-Sparkasse, ergänzte: "Die Wandmalereien dieser Kirche gehören zu den ältesten in der Region. Ich freue mich daher besonders, dass wir dazu beitragen, diese für künftige Generationen zu erhalten. Die Restaurierung kann aber auch ein Anlass für alle Bürger sein, sich auf die Geschichte der Region und somit auf die eigenen Wurzeln zurück zu besinnen." "Für uns ist heute ein wichtiger Tag", sagte Pastor Armin Schmersow, der zugleich Vorsitzender des Förderkreises ist, in seinen Begrüßungsworten. "Nun können wir den langersehnten Startschuss für die weitere Freilegung und für die Restaurierung der Wandmalereien geben. Angesichts des hohen Restaurierungsbedarfs wäre der Förderkreis allein nicht in der Lage, eine solche Aufgabe zu stemmen." Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung ist ein Gemeinschaftswerk aller Sparkassen Mecklenburg Vorpommerns, Brandenburgs, Sachsens und Sachsen-Anhalts. Die für die Projekte erforderlichen Finanzmittel werden aus Erträgen des Stiftungsvermögens, dem überörtlichen Zweckertrag der Sparkassenlotterie "PS-Lotterie-Sparen" und den projektbezogenen Zusatzspenden der Sparkassen aufgebracht. Die Sparkassenorganisation unterstreicht damit ihre Rolle als größter nichtstaatlicher Kulturförderer in Deutschland.
Älteste Kirche in der Müritzregion
Aus dieser hohen Wertigkeit der ursprünglichen Substanz ergibt sich aus denkmalpflegerischer Sicht die Aufgabe ihrer möglichst umfänglichen Bewahrung. Bei den anstehenden Arbeiten sollte die historische Substanz die Orientierung für die Materialwahl, für die handwerkliche Ausbildung der Oberflächen und für die Farbfassung bilden. Aufgrund der stärkeren Substanzschäden und der damit gegebenen Gefahr von Substanzverlusten sind konservierende Maßnahmen notwendig. Dies betrifft vor allem die Malereibefunde mit abkreidendem Pigment bzw. Schichtentrennungen und die Putzlösungen am Bereich der Weltgerichtsdarstellung. Die hohe Wertigkeit der historischen Malereifunde lässt deren Integration in die künftige Gestaltung des Kirchenraumes aus denkmalpflegerischer Sicht als sehr wünschenswert erscheinen. Das heißt: Die bereits freigelegten Befunde sollten restauratorisch konserviert werden. Da die Lesbarkeit der Malerei durch die Verluste vielfach sehr erschwert wird, ist die behutsame Integration der Fehlstellen "in den Malereizusammenhang geraten (farbige Ergänzungen). Dies betrifft vorerst die Weltgerichtsdarstellung an der Nordwand und die Malerei des 18. Jahrhunderts an der Südwand. Für die Ostwand ist aus restauratorischer Sicht eine weitere Freilegung der Befunde der ersten und zweiten Fassung möglich und in Bezug auf ihre Wertigkeit zu unterstützen. In dem Zusammenhang der Bearbeitung der Ostwand erscheint auch eine Wiederöffnung der beiden ursprünglichen Wandnischen sehr wünschenswert. Die Hölzer der Vipperower Kirche wurden im Frühjahr 2011 einer solchen dendrochronologischen Untersuchung unterzogen. Die Informationen dazu wurden dem Förderkreis von Herrn Ralf Gesatzky von der Baubehörde der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs übermittelt: "Die Ergebnisse sind eindeutig: die Hölzer für die Sparren des ersten Dachwerkes über dem Schiff wurden im Winter 1348/49 gefällt. Da die Zimmerleute die Hölzer immer frisch verarbeiten haben, können wir mit Bestimmtheit sagen, dass das Dach über dem Schiff im Jahr 1349 fertig gestellt war bzw. da das Dach die Fertigstellung der Wände voraussetzt, stammt die Kirche zu Vipperow aus dem Jahr 1349. Mit ziemlicher Sicherheit wurden die Wände gleich danach ausgemalt. Also können wir davon ausgehen, dass die Kirchgemeinde die Malerei an. Übrigens heißt mit "Beginn" 1172, dass der Baum in diesem Jahr seinen ersten Jahresring angesetzt hat. Ein Jahr davor, im Jahre 1171, hat Heinrich der Löwe den Grundstein für den Dom zu Schwerin gelegt. Und "Ende" heißt, dass dies der letzte gewachsene Jahresring ist, also aus 1348. Mit "Waldkante" werden Hölzer bezeichnet die im Winter gefällt wurden. Die überwiegende Zahl der Bauhölzer im Mittelalter wurden im Winter gefällt, sozusagen in der "saftarmen" Zeit. Es gibt aber auch Hölzer, die im Sommer gefällt wurden. Im Dom zu Schwerin, wo ein regelrechter Wald für das Dachwerk abgeholzt wurde, mussten auch Sommerhölzer gefällt werden."



