DRK Palliativtag in Wesenberg

von Müritzportal

"Die Zeit, die mir noch bleibt" ergreift Teilnehmer

DRK-Palliativtag in Wesenberg

„Das Leben ist voller Geschichten“, wusste Monika Meyer vom ambulanten Hospizdienst Neustrelitz zu berichtet. Diese Empfindung packte die Ehrenamtlerin in Lieder und eröffnete den ersten DRK Palliativ-Tag in Wesenberg auf musikalische Weise. „Es ist ein schöner Einstieg, um sie als ehrenamtliche und hauptamtliche Mitstreiter hier im neuen Seniorenpflegeheim begrüßen zu dürfen“, hieß Ronny Möller als Moderator der Veranstaltung die zahlreiche Gäste herzlich willkommen. Mit wunderschönem Panoramablick über den Woblitzsee wurden die über 50 Teilnehmer, unter ihnen auch Hospizbotschafter Günter Rhein (SPD), bereits zur Begrüßung verwöhnt. Doch das war nicht der eigentliche Grund des Erscheinens. „Die Zeit, dir mir bleibt“ wurde unter verschiedenen Gesichtspunkten zum Hauptthema des Palliativ-Tages. Und wie vielfältig Zeit ist und wie man sie empfinden kann, machte schon Andrea Morgenstern, Leiterin des ambulanten Hospizdienstes, in ihrem Impulsreferat deutlich.

„Bereits im September 2014 haben wir mit dem Gedanken einer derartigen Veranstaltung gespielt und sind mit unseren Ideen ,schwanger‘ gegangen“, blickte Andrea Morgenstern zurück. „Der Geburtstermin wurde öfters verschoben, der Geburtsort jedoch stand schnell fest – es sollte ein schöner und würdiger Ort sein“, so die Rotkreuzlerin. Und auch das Ziel der Veranstaltung war schnell festgelegt: „Unsere Mitarbeiter sollten mehr Kompetenzen im Umgang mit schwerkranken und sterbenden Menschen erhalten.“ Zwar konnte die Hospizlerin die Frage: „Gibt es ein Leben nach dem Tod?“ nicht beantworten, „ich war noch nicht tot, aber es gibt ein Leben vor dem Tod“, stimmte sie auf den kommenden Programmpunkt ein. Dies war die Dokumentation „Die Zeit, dir mir bleibt“ über einen 41jährigen Familienvater mit Lungenkrebs. Aus Sicht des Patienten wurden sterile Klinikabläufe dargestellt. Eine Operation, acht Tage nach der Krebs-Diagnose. Ungewissheit und Angst. Bis sich der Mann gegen eine Strahlenbehandlung entschied. Er beginnt, sich zu organisieren und die verbleibende Zeit mit Leben zu füllen und sich mit der ärztlichen Feststellung ,austherapiert‘ zu arrangieren. Nach einer Urlaubsreise gewinnen Metastasen die Überhand im Körper – Schmerzen und Verschlechterung des Allgemeinzustandes durchziehen die Sequenzen. Doch die Kraft, mit sich und seinen Angehörigen ins Reine zu kommen, bleibt. Bis der Patient friedlich einschläft. Die Handlung der Dokumentation war nicht nur auf der Leinwand sichtbar, sondern konnte im Veranstaltungssaal gefühlt werden. Stille machte sich breit und wurde lediglich von knisternden Taschentüchern, beklemmendem Schlucken und tiefen Atemzügen durchbrochen. „Sie haben sich jetzt eine kurze Pause verdient, um die Eindrücke zu verarbeiten“, unterbrach Ronny Möller die Tagung. In gemeinsamen Gesprächen wurde das Erlebte reflektiert und bot einen guten Einstieg für Dr. Fabian Föhring vom hiesigen SAPV-Team. Der Leiter der spezialisierten ambulanten palliativen Versorgung an der Mecklenburgischen Seenplatte zeigt aus Sicht der Mediziner, dass auch eine medikamentöse Behandlung Erleichterung und die Basis zur Wunscherfüllung bietet. „Wir können kein endloses Leben gewähren, aber wir können die verbleibende Zeit nutzbar machen“, so der Mediziner. Gemeinsam mit den Betroffenen und den Angehörigen werden realistische Ziele gesetzt. Diese Ziele beinhalten oft letzte Lebenswünsche.

Um diese ging es auch bei der folgenden Reflektion der stationären Hospizarbeit. Schwestern des Neustrelitzer Luisendomizils teilten Erinnerungen mit den Teilnehmern, die sie in den Begleitungen mit ihren Bewohnern erfahren durften. „Es sind nicht nur traurige Erlebnisse im Hospiz, bei uns wird auch gelacht und am Leben teilgenommen“, so Yvonne Neumann. Dennoch wurden erneut zahlreiche Gäste von den Ausführungen, auch wenn sie positiver Natur waren, emotional überrannt. Und auch nach dem gemeinsamen Mittagessen ging es voller Emotionen weiter. „Meine Zeit an deiner Seite“, wurde zum Vortrag dreier ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen, die ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Leben, Sterben, Tod und Trauer teilten. Auch nach dem Veranstaltungsende blieb noch reichlich Zeit, um in gemeinsamen Gesprächen den Gedanken freien Lauf zu lassen. „Es war eine wirklich gelungene Veranstaltung, die in der kommenden Zeit eine Wiederholung erfahren wird“, resümierte Ronny Möller den emotionalen Tag, der jeden einzelnen Teilnehmer erreichte.

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