Das sanfte Plätschern der Wellen an der Mecklenburger Seenplatte gehört zu den entspannendsten Geräuschen, die man sich im Urlaub vorstellen kann. Wenn man morgens mit dem Kaffee auf der Terrasse sitzt und den Blick über das glitzernde Wasser der Müritz schweifen lässt, scheint die Welt noch vollkommen in Ordnung zu sein.
Die Idylle findet jedoch meist ein abruptes Ende, wenn das Wasser im Ferienhaus plötzlich an Stellen verweilt, wo es eigentlich zügig abfließen sollte. Ein unheilvolles Gluckern im Waschbecken oder eine Duschwanne, die sich langsam in ein ungetümt tiefes Fußbad verwandelt, trübt die Urlaubsstimmung schneller als eine aufziehende Regenfront über dem See.
Ein verstopftes Rohr ist in der wohlverdienten Auszeit an der Seenplatte zwar ein ungebetener Gast, aber beileibe kein Grund zur Panik. Oft reichen schon kleine Handgriffe und ein wenig norddeutsche Gelassenheit aus, um den gewohnten Fluss im Haus wiederherzustellen. Bevor der Klempner gerufen werden muss, hilft meist ein kühler Kopf und der Blick auf die Ursachen, die in einem Ferienobjekt oft ganz spezifischer Natur sind.
Wenn das Wasser steht: Ursachenforschung im Ferienhaus
Ein verstopfter Abfluss im Urlaub kommt selten aus heiterem Himmel. Oft ist es eine Kombination aus der unregelmäßigen Nutzung von Ferienimmobilien und den kleinen Mitbringseln eines aktiven Natururlaubs. Feiner Sand vom Badestrand an der Bolter Schleuse, Haare oder auch Kalkablagerungen setzen sich über die Zeit in den Rohren ab. Wenn dann bei der Anreise der erste große Abwasch nach dem Fischbraten-Essen ansteht, kapituliert das Leitungssystem unter der plötzlichen Last.
Interessanterweise stehen viele Eigentümer von Ferienobjekten an der Seenplatte vor einer ganz besonderen Herausforderung: Sie leben hauptberuflich in der Metropole und kennen dort ihre festen Ansprechpartner für den Notfall. Während man in der Stadt für ein verstopftes WC sofort die Spezialisten für Abflussreinigung in Berlin auf dem Kurzwahlspeicher hat, muss man sich in der ländlichen Idylle Mecklenburgs erst einmal neu orientieren.
In den weiten Gebieten rund um die Müritz sind die Wege oft länger und die Handwerksbetriebe vor Ort gerade in der Hochsaison stark ausgelastet. Daher lohnt es sich für jeden Urlauber und Vermieter gleichermaßen, die typischen Übeltäter im Rohr zu kennen. Oft sind es nämlich gar keine großen Defekte, sondern lediglich organische Reste oder Seifenrückstände, die den Durchfluss blockieren und mit ein wenig Geschick selbst behoben werden können.
Erste Hilfe mit Hausmitteln: die sanfte Rettung
Wenn das Wasser im Becken verharrt, ist der erste Reflex oft der Griff zu aggressiven chemischen Rohrreinigern aus dem Superregal. Doch gerade an der Müritz ist Vorsicht geboten. Viele Ferienhäuser in den abgelegeneren Uferregionen sind an dezentrale Kleinkläranlagen angeschlossen. Starke Chemie kann dort die nützlichen Bakterien zerstören und so für weitaus größere Probleme sorgen als nur ein verstopftes Rohr.
Eine weitaus sanftere und oft ebenso effektive Methode ist die Kombination aus Natron und Essig. Zwei bis drei Esslöffel Natron direkt in den Abfluss geben, eine halbe Tasse Essig hinterhergießen und das sprudelnde Spektakel kurz einwirken lassen. Wenn das chemische Feuerwerk im Rohr abgeklungen ist, wird mit reichlich heißem Wasser nachgespült. Diese Mischung löst Fett und leichte Ablagerungen, ohne die Umwelt zu belasten.
Sollte die Verstopfung hartnäckiger Natur sein, schlägt die Stunde der klassischen Saugglocke. Mit dem „Pümpel“ wird ein mechanischer Über- und Unterdruck erzeugt, der festsitzende Fremdkörper lockert. Ein kleiner Trick dabei: Den Überlauf des Waschbeckens mit einem feuchten Lappen abdichten, damit der Druck direkt dort ankommt, wo er gebraucht wird tief im Siphon. Oft reicht dieser physische Impuls schon aus, um den Abfluss wieder frei zu bekommen.
Prävention: damit der Urlaub im Fluss bleibt
Damit es erst gar nicht zu stehendem Wasser kommt, lässt sich mit minimalem Aufwand vorbeugen. Ein einfaches Haarsieb in der Dusche und in der Küchenspüle wirkt oft Wunder. Besonders nach einem langen Tag am Sandstrand von Waren oder Röbel verhindert ein solches Sieb, dass feine Sedimente tief in das Rohrsystem wandern und dort mit Seifenresten zu einer betonharten Masse verklumpen.
Ein weiterer kritischer Punkt in der Ferienküche ist das Speisefett. Nach dem Braten von frischem Fisch aus der Müritz sollte das überschüssige Öl niemals direkt im Abfluss entsorgt werden. Fett wird im kühlen Rohr schnell fest und wirkt wie ein Magnet für alle anderen Partikel. Wer stattdessen Küchenpapier nutzt, um Pfannen grob auszuwischen, schont die Leitungen und spart sich unnötigen Ärger am nächsten Morgen. Ein regelmäßiger Schwall heißes Wasser nach dem Abwasch hilft zudem, leichte Ablagerungen direkt wegzuspülen.
Fazit: Gelassenheit an der Seenplatte
Am Ende ist ein verstopftes Rohr im Ferienhaus zwar ein lästiges Hindernis, aber kein Grund, die Urlaubsstimmung über Bord zu werfen. Mit den richtigen Hausmitteln und einer Prise Geduld lässt sich das Problem in den meisten Fällen zügig und umweltschonend lösen. Wer die Besonderheiten der Entwässerung in der Seenplatte beachtet, schützt nicht nur die heimische Flora und Fauna, sondern sichert sich auch eine entspannte Zeit.
Sobald das Wasser wieder ungehindert gurgelt, bleibt mehr Zeit für das Wesentliche: den weiten Blick über die Müritz, die frische Luft und das Gefühl von grenzenloser Freiheit. Denn schließlich soll das Wasser im Urlaubsparadies dort bleiben, wo es am schönsten ist draußen im See.