Die Pflichten des Data Acts: Was Unternehmen an der Müritz jetzt beachten müssen
Obwohl es ihn schon seit einer ganzen Weile gibt, ist der EU Data Act seit dem 12. September 2025 voll anwendbar. Und er verändert die Regeln rund um Datenzugang, Datennutzung und Cloud-Dienste grundlegend. Für viele Betriebe klingt das zunächst nach Brüsseler Bürokratie, doch in der Praxis geht es um sehr konkrete Pflichten, die auch Unternehmen an der Müritz unmittelbar betreffen.
Der Kern des Data Act
Der Data Act verfolgt drei zentrale Ziele. Erstens soll der Zugang zu Daten aus vernetzten Produkten verbessert werden. Nutzer, ob Privatperson oder Unternehmen, haben somit ein Recht darauf, die Daten aus ihren Geräten vollständig und in maschinenlesbarer Form zu erhalten.
Zweitens schützt der Data Act kleine und mittlere Unternehmen vor unfairen Vertragsklauseln, wenn es um die Nutzung von Daten geht.
Drittens verpflichtet er Cloud-Anbieter, einfache Wechselmöglichkeiten und Interoperabilität sicherzustellen, damit Unternehmen nicht in teuren Abhängigkeiten gefangen bleiben.
Für die Region Müritz bedeutet das, wer moderne digitale Lösungen nutzt, muss künftig genau prüfen, wie Daten gespeichert, geteilt und exportiert werden können.
Betroffene Branchen im Überblick
Natürlich ist der in der Region so lebendige Tourismus betroffen. Hotels, Pensionen und Ferienanlagen in Waren (Müritz) oder Röbel arbeiten längst mit digitalen Gästekarten, smarten Türschlössern und intelligenten Heizungssteuerungen.
All diese Geräte generieren Daten, die nicht nur für den Betrieb wichtig sind, sondern künftig auch den Gästen oder Dienstleistern zugänglich gemacht werden müssen.
Betroffen sind auch Glücksspielanbieter wie Casinos ohne KYC Prozess, die ihre Daten über europäische Cloud-Systeme verwalten. Sie müssen sicherstellen, dass Nutzerdaten exportierbar sind und bei einem Anbieterwechsel vollständig übertragen werden können.
Auch die Stadtwerke Waren modernisieren ihre Netze mit intelligenten Messsystemen. Verbrauchsdaten, die dort entstehen, müssen unter dem Data Act strukturiert abrufbar sein. Kunden können so leichter Anbieter vergleichen oder Energieeffizienzprogramme nutzen.
Selbst kleinere Betriebe setzen zunehmend auf vernetzte Maschinen oder Fuhrpark-Tracker. Hier gilt, die Daten gehören nicht allein dem Hersteller, sondern müssen auf Anfrage für den Betrieb nutzbar gemacht werden.
Darüber hinaus läuft auch Software für Buchungen, Warenwirtschaft oder Handwerkerplanung meist über die Cloud. Anbieter dürfen ihre Kunden nicht mehr mit hohen Ausstiegsgebühren binden, sondern müssen transparente Wege für einen Wechsel bereitstellen.
Und natürlich ist auch das Thema Mobilität betroffen. Charterboote oder Shuttle-Services an der Müritz sind mit Telematiksystemen ausgestattet. Auch diese Daten unterliegen den neuen Regeln und müssen auf Anfrage exportiert werden.
Konkrete Beispiele aus der Region Müritz
Die Müritz ist nicht nur eine der schönsten Naturregionen Norddeutschlands, sondern auch ein Standort, an dem digitale Projekte Fahrt aufgenommen haben.
- Digitale Gästekarte: In der Modellregion Seenplatte wird eine digitale GästeCard erprobt, die Informationen, Bezahlfunktionen und Mobilitätsangebote bündelt. Die Daten, die dabei entstehen, müssen künftig in gängigen Formaten abrufbar sein.
- Smart Meter im Hotel: Ein Hotel in Waren nutzt intelligente Stromzähler zur Verbrauchsoptimierung. Bisher erhielt es lediglich monatliche PDF-Berichte. Der Data Act verpflichtet die Anbieter nun, die Rohdaten in Formaten wie CSV oder JSON zur Verfügung zu stellen, damit das Hotel diese in eigene Systeme einspeisen kann.
- Ferienpark-Management: Wechselt ein Ferienpark in Klink seinen Cloud-basierten Buchungsdienst, muss der alte Anbieter einen vollständigen Export der Kundendaten ermöglichen, ohne überhöhte Gebühren oder technische Barrieren.
- Breitbandausbau: Der Glasfaserausbau in Mecklenburg-Vorpommern schreitet voran, doch längst nicht alle Betriebe nutzen die Möglichkeit. Gerade für große Datenexporte, wie sie der Data Act vorsieht, ist eine stabile Anbindung entscheidend.
Was Unternehmen konkret tun müssen
Der Data Act ist kein theoretisches Regelwerk, sondern verlangt aktive Umsetzung. Verantwortliche sollten jetzt handeln, um rechtzeitig vorbereitet zu sein.
Zunächst ist eine Bestandsaufnahme nötig. Welche vernetzten Geräte und digitalen Dienste sind im Einsatz, welche Daten entstehen dabei und wer hat darauf Zugriff? Danach gilt es zu prüfen, ob diese Daten in gängigen Formaten wie CSV oder JSON exportiert werden können.
Ein weiterer Schritt ist die Überarbeitung bestehender Verträge, damit keine unzulässigen oder einseitigen Klauseln bestehen bleiben. Parallel sollten klare Prozesse für den Wechsel von Cloud-Diensten entwickelt werden, um Kosten und Risiken zu minimieren.
Nicht zuletzt ist die Schulung der Mitarbeiter entscheidend. Sie müssen wissen, welche Rechte und Pflichten der Data Act mit sich bringt und wie sie diese im Arbeitsalltag umsetzen. So schaffen Betriebe in der Region die Grundlage, um die neuen Vorgaben rechtssicher und effizient zu erfüllen.
Die Umsetzung wird zunächst natürlich Aufwand verursachen. Viele Unternehmen müssen ihre Systeme überprüfen, neue Schnittstellen schaffen und Vertragswerke anpassen. Gerade für kleinere Betriebe kann das eine zusätzliche Belastung darstellen.
Auf lange Sicht jedoch schafft der Data Act auch Chancen. Wer Daten frei bewegen kann, gewinnt an Flexibilität, senkt Kosten und steigert die Innovationskraft.
Ein Hotel, das Energieverbrauchsdaten strukturiert nutzen kann, spart Betriebskosten. Ein Bootsanbieter, der Telematikdaten exportiert, optimiert Wartung und Service. Und auch für Gäste bringt das Gesetz Vorteile, da sie ihre Daten einfacher mitnehmen und vergleichen können.
Eine europäische Strategie
Der Data Act ist Teil einer größeren europäischen Strategie, die Datenwirtschaft zu stärken und fairer zu gestalten. Für die Müritz-Region bedeutet das nicht nur neue Pflichten, sondern auch neue Möglichkeiten.
Der Tourismus, die Energieversorgung, die Logistik auf dem Wasser und sogar digitale Branchen können von klaren Regeln profitieren, wenn sie rechtzeitig reagieren.
Wer jetzt handelt, Datenprozesse inventarisiert und technische Schnittstellen vorbereitet, wird den Wandel nicht nur bestehen, sondern aktiv nutzen. Die Müritz kann so zeigen, dass auch in einer ländlichen Region digitale Innovation und europäische Regulierung zusammenfinden, zum Vorteil von Unternehmen und Gästen gleichermaßen.