„Ein sauberes Fliesenbild entsteht nicht am Ende, sondern bei der Vorbereitung" – Interview mit einem Fliesenprofi aus dem Ruhrgebiet
Ein gelungenes Fliesenbild entsteht vor allem durch sorgfältige Vorbereitung, die richtige Formatwahl und passendes Verlegewerkzeug nicht erst beim Verfugen. Wer schon einmal eine Terrasse neu belegt, ein Bad saniert oder den Wohnbereich mit Großformatfliesen aufgewertet hat, kennt das Grundproblem: Zwischen der Auswahl im Showroom und dem fertigen Boden liegen viele Entscheidungen, die den optischen Eindruck später mehr prägen als die Fliese selbst. Gerade bei größeren Formaten macht ein zuverlässiges Nivelliersystem den Unterschied zwischen einem sauberen und einem unruhigen Ergebnis. Wir haben mit einem erfahrenen Fliesenberater aus dem Ruhrgebiet gesprochen, der private Bauherren, Renovierer und Sanierer rund um das Thema Fliesen in Gelsenkirchen, Oberhausen, Dortmund und Duisburg bei genau diesen Entscheidungen begleitet.
Müritzportal: Worauf achten Ihre Kunden bei der Fliesenauswahl heute am meisten?
Geschäftsführung von Fliesen XXL: Die Optik steht fast immer im Vordergrund vor allem Holz-, Beton- und Marmoroptik werden häufig nachgefragt. Auffällig ist, dass die Formate in den vergangenen Jahren größer geworden sind. 60x120, 80x80 oder auch 120x120 sehen wir immer häufiger bei Neubauten und Sanierungen. Großformate wirken ruhiger, weil weniger Fugen im Raum sichtbar sind. Genau deshalb sind sie aber handwerklich anspruchsvoller.
Müritzportal: Woran scheitert eine schöne Verlegung am häufigsten?
Geschäftsführung von Fliesen XXL: An der Vorbereitung des Untergrunds und an der Höhenkontrolle beim Verlegen. Bei kleineren Formaten verzeiht der Kleber noch viel. Sobald die Kanten länger werden, sieht man Unebenheiten deutlicher als sogenannten Überzahn zwischen zwei benachbarten Fliesen. Deshalb empfehle ich bei größeren Formaten grundsätzlich, mit einem Nivelliersystem zu arbeiten. Das hilft, Differenzen im Kleberbett auszugleichen und sorgt dafür, dass die Fliesen bündig zueinander aushärten.
Müritzportal: Viele Heimwerker verlegen inzwischen selbst. Wem raten Sie davon ab?
Geschäftsführung von Fliesen XXL: Grundsätzlich niemandem, der Zeit, Geduld und das richtige Werkzeug mitbringt. Aber ich bin ehrlich: Bei einer Terrasse mit 2 cm starken Platten oder bei XXL-Formaten im Wohnbereich fehlt oft das Equipment zum Zuschneiden, zum Tragen, zum sauberen Verlegen. Wer erstmalig fliest, sollte mit einem überschaubaren Bereich starten, etwa einem Gäste-WC oder einem Vorraum. Wichtiger als die Größe des Projekts ist die Reihenfolge: erst planen, dann Material bestellen, dann verlegen. Nicht umgekehrt.
Müritzportal: Stichwort Terrasse Outdoor-Fliesen sind gerade sehr präsent. Was übersehen private Bauherren dort?
Geschäftsführung von Fliesen XXL: Die 2-cm-Platten sind beliebt, weil sie robust sind, sich lose auf Splitt oder Stelzlagern verlegen lassen und optisch mit dem Wohnbereich harmonieren können. Übersehen wird oft die Entwässerung. Eine Terrasse braucht Gefälle, sonst bleibt Wasser auf der Fläche stehen und die Fugen leiden. Und: Outdoor-Platten sollten rutschhemmend sein, gerade in Regionen wie dem Ruhrgebiet, wo es im Herbst und Winter regelmäßig nass wird.
Müritzportal: Wie hat sich der Beratungsbedarf verändert, seit viele Kunden online bestellen?
Geschäftsführung von Fliesen XXL: Der Bedarf ist aus meiner Sicht eher gestiegen. Online sieht man die Fliese auf einem Foto, aber nicht im Raum. Deshalb schicken wir Muster raus und laden Kunden auch in den Showroom ein, bevor größere Mengen bestellt werden. Der zweite Punkt ist die Mengenkalkulation: Verschnitt, Reserve für spätere Reparaturen, Sockelfliesen das wird gerne unterschätzt. Je nach Verlegemuster ist ein Zuschlag auf die reine Quadratmeterzahl sinnvoll; die konkrete Höhe hängt vom Format, vom Muster und vom Zuschnitt ab.
Müritzportal: Fischgrät, Diagonalverlegung, Verband gibt es einen Trend beim Verlegemuster?
Geschäftsführung von Fliesen XXL: Fischgrät ist weiterhin gefragt, vor allem beim Vinylboden. Es wirkt hochwertig, ohne dass man aufwendig fliesen muss. Bei klassischen Fliesen sehen wir viel Halbverband und immer öfter Drittelverband bei Holzoptik-Formaten. Wichtig ist, das Muster vor der Bestellung festzulegen, weil sich Verschnitt und Materialbedarf dadurch ändern.
Müritzportal: Was ist Ihr wichtigster Rat an jemanden, der vor der ersten großen Fliesenentscheidung steht?
Geschäftsführung von Fliesen XXL: Nehmen Sie sich Zeit für die Vorauswahl und lassen Sie sich beraten, bevor Sie bestellen. Optik, Format, Rutschklasse, Verlegewerkzeug und Zubehör greifen ineinander. Wer diese Punkte einmal sauber durchgeht, spart sich später Nacharbeit – und bekommt am Ende genau das Fliesenbild, das er sich vorgestellt hat.
Müritzportal: Wir bedanken uns für das Gespräch.