Kraniche über der Müritz – wo man das Naturschauspiel am besten erlebt
Wenn sich der Sommer aus der Mecklenburgischen Seenplatte verabschiedet, beginnt rund um die Müritz eine der eindrucksvollsten Naturphasen des Jahres. Zwischen Ende August und Mitte Oktober rasten tausende Kraniche in der Region, bevor sie ihren Weiterflug nach Südwesteuropa antreten. Die Kombination aus Seen, Feuchtwiesen und offenen Feldern macht die Müritz zu einem wichtigen Rastgebiet im europäischen Vogelzug.
Vor allem rund um den Müritz-Nationalpark lassen sich die großen Zugvögel in dieser Zeit regelmäßig beobachten. Ihre markanten Rufe, die Formationsflüge am Himmel und die abendlichen Sammelbewegungen über der Seenlandschaft gehören zu den besonderen Naturerlebnissen des Herbstes in Mecklenburg-Vorpommern.
Wenn die Felder zum Rastplatz werden
Ab Ende August treffen die ersten größeren Kranichgruppen in der Region ein. Besonders rund um den Müritz-Nationalpark finden sie günstige Bedingungen: abgeerntete Mais- und Getreidefelder dienen als Nahrungsflächen, flache Gewässer und geschützte Uferzonen als Schlafplätze.
Tagsüber halten sich die Tiere häufig auf offenen Feldern rund um Federow, Speck oder in den Agrarlandschaften südlich der Müritz auf. Gegen Abend ziehen die Schwärme zurück zu ihren Schlafgewässern. Dabei überqueren sie oft in größeren Formationen die Seenlandschaft und sind schon aus größerer Entfernung deutlich zu hören.
Die besten Beobachtungspunkte rund um die Müritz
Zu den bekanntesten Orten für die Kranichbeobachtung zählt das Gebiet bei Federow am südöstlichen Rand des Müritz-Nationalparks. Nahe der Nationalpark-Information Federow befindet sich ein Aussichtspunkt mit Blick auf umliegende Wiesen und Wasserflächen. Besonders früh am Morgen oder kurz vor Sonnenuntergang entstehen hier gute Möglichkeiten zur Beobachtung.
Ein weiterer wichtiger Standort ist die Aussichtsplattform am Rederangsee. Von dort eröffnet sich freie Sicht auf bedeutende Rast- und Schlafbereiche der Kraniche. Die Plattform ist über Wege ab Federow oder Schwarzenhof erreichbar und gehört während der Zugzeit zu den beliebtesten Beobachtungsorten der Region.
Auch rund um Boek sowie im Bereich des Bolter Kanals lassen sich Kraniche regelmäßig entdecken. Die offenen Feuchtflächen und Uferbereiche südöstlich der Müritz bieten vor allem morgens und in den Abendstunden gute Bedingungen – oft auch ohne längere Wanderungen.
Ein Fernglas oder Teleobjektiv empfiehlt sich grundsätzlich, da die Tiere mit ausreichend Abstand beobachtet werden sollten.
Rücksicht im Beobachtungsgebiet
Kraniche reagieren empfindlich auf Störungen, besonders während ihrer Rastzeit. Deshalb sollten Besucher ausschließlich markierte Wege nutzen und ausreichend Abstand zu den Tieren halten. Die Beobachtung gelingt am besten von offiziellen Aussichtspunkten oder Beobachtungsplattformen aus.
Die Besucherzentren und Informationsstellen in Federow informieren regelmäßig über aktuelle Aufenthaltsorte der Schwärme. Da sich die Tiere abhängig von Wetterbedingungen, Wasserständen und landwirtschaftlicher Nutzung kurzfristig verlagern können, lohnt sich eine flexible Tagesplanung.
Kraniche beobachten als Abschluss einer Deutschlandreise
Für viele Besucher ist die Kranichsaison an der Müritz Teil einer längeren Deutschlandreise. Besonders Reisende aus Süddeutschland oder aus den Alpenregionen verbinden den Weg in den Norden mit mehreren Stationen und unterschiedlichen Landschaftserlebnissen.
Eine mögliche Route führt beispielsweise von Bayern oder Baden-Württemberg zunächst nach Sachsen. Nach einem Zwischenstopp mit Altstadtbesuch, Elbufer-Spaziergang oder einem Abend in der Dresdner Neustadt geht es nach einer erholsamen Nacht in einer Unterkunft in Dresden am nächsten Morgen weiter Richtung Norden – vorbei an der Lausitz, durch Brandenburg oder über den Berliner Raum bis in die Mecklenburgische Seenplatte.
Mit zunehmender Entfernung von den Großstädten verändert sich auch die Landschaft: Wälder, weite Felder und Seen prägen den Weg bis zur Müritzregion. Nach urbanen Eindrücken, historischen Bauwerken und kulturellen Stationen bildet die Naturkulisse rund um den Müritz-Nationalpark einen deutlichen Kontrast.
Gerade im Herbst wird die Ankunft an der Müritz für viele Reisende zu einem besonderen Abschluss der Route. Während morgens Nebel über den Wasserflächen liegt und sich abends Kranichschwärme über den Seen sammeln, erlebt man eine ruhigere, entschleunigte Seite Deutschlands. Die Beobachtung der Zugvögel wird damit nicht nur zu einem einzelnen Ausflugsziel, sondern zum atmosphärischen Höhepunkt einer Reise quer durch verschiedene Regionen des Landes.
Ein kurzer Höhepunkt im Herbst
Mit den ersten stärkeren Frösten verlassen die meisten Kraniche die Müritzregion und ziehen weiter in ihre Winterquartiere nach Südwesteuropa. Zurück bleibt die ruhiger werdende Seenlandschaft des Spätherbstes.
Gerade diese begrenzte Zeit macht die Kranichsaison für viele Besucher besonders attraktiv. Zwischen Ende August und Oktober zeigt sich die Müritz von einer anderen Seite als im Sommer: stiller, weiter und geprägt vom Vogelzug über Seen, Felder und Feuchtlandschaften Norddeutschlands.