Mehr Solarstrom für die Müritzregion: Photovoltaik als wirtschaftliche Chance
Die Mecklenburgische Seenplatte ist bundesweit für ihre naturnahe Landschaft und den sanften Tourismus bekannt. Beim Ausbau erneuerbarer Energien sind deshalb Lösungen gefragt, die zu den regionalen Gegebenheiten passen und den Schutz der Landschaft berücksichtigen. Für die Energieversorgung bietet sich daher insbesondere die Nutzung bereits bebauter Flächen an.
Rund um die Müritz bieten Wohnhäuser, landwirtschaftliche Gebäude und Gewerbeimmobilien grundsätzlich geeignete Dachflächen für Photovoltaik. Wie groß das Potenzial im Einzelfall ist, hängt unter anderem von Dachfläche, Ausrichtung, Verschattung und Stromverbrauch ab. Für Eigentümer stellt sich damit vor allem die Frage, ob sich eine Anlage unter den konkreten Bedingungen wirtschaftlich betreiben lässt.
Wie die Siedlungsstruktur das Solarpotenzial prägt
Photovoltaik ist rund um die Müritz bereits auf verschiedenen Gebäuden zu finden. In Röbel, Malchow, Rechlin und Waren werden Wohnhäuser, Gewerbeimmobilien und andere Gebäude für die Solarstromerzeugung genutzt. Das vorhandene Potenzial geht jedoch über die bereits installierten Anlagen hinaus. Gerade außerhalb der dicht bebauten Ortskerne gibt es weitere Wohnhäuser, landwirtschaftliche Gebäude und Gewerbeimmobilien mit Dachflächen, die grundsätzlich für Photovoltaik infrage kommen.
Ein Vergleich mit anderen Standorten macht deutlich, wie die jeweiligen räumlichen Gegebenheiten die Planung beeinflussen. München steht beispielhaft für einen dicht bebauten urbanen Raum. Zwar stehen in München zahlreiche Dachflächen zur Verfügung, doch umliegende Gebäude, unterschiedliche Gebäudehöhen und Verschattungen können die tatsächlich nutzbare Fläche beeinflussen. Die Münchner Solarpotenzialkarte berücksichtigt deshalb unter anderem die Ausrichtung und Neigung der Dächer sowie Verschattungen durch Gebäude und Bäume. Wer eine Solaranlage in München planen möchte, muss diese örtlichen Gegebenheiten berücksichtigen.
Rund um die Müritz ist die Siedlungsstruktur weniger dicht. Hinzu kommen landwirtschaftliche und gewerbliche Gebäude mit teilweise großen, zusammenhängenden Dachflächen. Damit unterscheiden sich die räumlichen Voraussetzungen von denen dicht bebauter Städte. Große Dachflächen können die Planung größerer Photovoltaikanlagen ermöglichen, ohne zusätzliche Freiflächen in Anspruch zu nehmen.
Ob sich eine konkrete Fläche tatsächlich eignet, hängt jedoch weiterhin von Dachausrichtung, Verschattung, Statik, Strombedarf und Wirtschaftlichkeit ab. Auch bei größeren Gebäuden lässt sich deshalb nicht allein anhand der verfügbaren Dachfläche beurteilen, welche Anlagengröße sinnvoll ist.
Solarstrom auf Wohn-, Gewerbe- und Landwirtschaftsgebäuden
Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Müritzregion. Photovoltaik kann touristischen Betrieben ermöglichen, einen Teil ihres Energiebedarfs selbst zu decken und damit den Strombezug aus dem Netz zu verringern. Besonders relevant ist dies für Hotels, Pensionen, Ferienunterkünfte und Campingplätze mit regelmäßigem Strombedarf, etwa für Kühlung, Gastronomie, Warmwasserbereitung oder Ladeinfrastruktur. Wie groß der Nutzen der eigenen Stromerzeugung ausfällt, hängt insbesondere davon ab, wie gut die Solarstromerzeugung mit dem Verbrauch des jeweiligen Betriebs zusammenfällt.
Auch in Mehrfamilienhäusern kann Solarstrom direkt vor Ort genutzt werden. Mieterstrommodelle ermöglichen es, den auf dem Gebäude erzeugten Strom mehreren Parteien zur Verfügung zu stellen. Batteriespeicher können zusätzlich dazu beitragen, überschüssigen Solarstrom zwischenzuspeichern und zu einem späteren Zeitpunkt zu nutzen. Welche Lösung geeignet ist, hängt von den technischen Gegebenheiten des Gebäudes und dem jeweiligen Stromverbrauch ab.
Der Ausbau der Photovoltaik kann auch für regionale Fachbetriebe zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten schaffen. Neben der Planung und Installation sind für den langfristigen Betrieb der Anlagen regelmäßige Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten erforderlich. In welchem Umfang Unternehmen in der Müritzregion davon profitieren, hängt unter anderem von der Zahl der neu errichteten Anlagen und dem Anteil der Projekte ab, der von regionalen Betrieben umgesetzt wird.
Wirtschaftliche Faktoren für Betriebe und Privathaushalte
Für die Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage sind insbesondere die Investitionskosten, der Strombedarf und der erwartete Eigenverbrauch relevant. Durch die eigene Stromerzeugung lässt sich ein Teil des benötigten Stroms direkt vor Ort decken und dadurch der Bezug aus dem öffentlichen Netz reduzieren. Den Investitionskosten stehen dabei die möglichen Einsparungen durch den selbst genutzten Solarstrom sowie gegebenenfalls Einnahmen aus der Einspeisung gegenüber. Entscheidend ist, wie sich diese Faktoren über die Nutzungsdauer der Anlage entwickeln.
Auch die Größe und Ausgestaltung einer Photovoltaikanlage müssen auf die jeweiligen Gegebenheiten des Gebäudes abgestimmt werden. Größere, gut geeignete Dachflächen können eine höhere Anlagenleistung ermöglichen, während eine begrenzte Fläche oder stärkere Verschattung die nutzbare Leistung einschränken kann. Welche Anlagengröße und Ausgestaltung wirtschaftlich sinnvoll sind, lässt sich daher nur unter Berücksichtigung der konkreten baulichen, technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen beurteilen.
Vereinfachtes Rechenbeispiel
Wie sich Eigenverbrauch und Stromkosten auf die Wirtschaftlichkeit auswirken können, lässt sich anhand eines vereinfachten Beispiels verdeutlichen. Angenommen, eine Photovoltaikanlage mit 10 kWp erzeugt im Jahr rund 9.500 kWh Solarstrom. Ein Haushalt oder Betrieb nutzt davon 6.000 kWh direkt selbst, während die übrigen 3.500 kWh ins Netz eingespeist werden.
Bei einem angenommenen Strompreis von 0,30 Euro pro kWh entspricht der direkt genutzte Solarstrom einem vermiedenen Strombezug von:
6.000 kWh × 0,30 Euro = 1.800 Euro pro Jahr
Für die eingespeisten 3.500 kWh kommt zusätzlich eine Vergütung hinzu. Bei einer beispielhaft angenommenen Vergütung von 0,08 Euro pro kWh wären das:
3.500 kWh × 0,08 Euro = 280 Euro pro Jahr
Damit ergäbe sich in diesem vereinfachten Beispiel ein jährlicher wirtschaftlicher Effekt von 2.080 Euro. Dem stehen die Anschaffungs- und laufenden Kosten der Anlage gegenüber.
Das Rechenbeispiel dient lediglich der Veranschaulichung. Tatsächliche Werte können je nach Anlagenpreis, Standort, Ausrichtung, Stromtarif, Eigenverbrauch, Einspeisevergütung und Betriebsweise deutlich abweichen. Auch die Höhe der Einspeisevergütung hängt unter anderem vom Zeitpunkt der Inbetriebnahme und der Größe sowie Ausgestaltung der Anlage ab.
Netzintegration und die regionale Infrastruktur
Die dezentrale Stromerzeugung stellt auch Anforderungen an die regionalen Stromnetze. Wenn viele Photovoltaikanlagen gleichzeitig Strom produzieren, müssen Netzkapazitäten und Einspeisemöglichkeiten ausreichend sein. Auch der zeitliche Verlauf von Stromerzeugung und Verbrauch muss bei der Planung berücksichtigt werden.
Batteriespeicher und intelligente Energiemanagementsysteme können dazu beitragen, einen größeren Anteil des erzeugten Stroms zeitlich passend zum Verbrauch einzusetzen. Welche Maßnahmen erforderlich sind, hängt von der lokalen Netzsituation und der jeweiligen Anlagenkonfiguration ab.
Photovoltaik kann damit einen Baustein der zukünftigen Energieversorgung in der Seenplatte darstellen. Für Bürger und Unternehmen eröffnet sie die Möglichkeit, einen Teil des eigenen Strombedarfs vor Ort zu erzeugen. Gleichzeitig entstehen durch Planung, Installation und Wartung Aufträge für regionale Fachbetriebe. Wie stark diese Effekte ausfallen, hängt vom weiteren Ausbau der Photovoltaik in der Region ab.